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Taub - was nun?

Es ist ein Irrglaube, daß man taube Hunde sofort erkennen kann. Leider bleiben viele unentdeckt, so daß Erziehungsfehler dann den Hund ins Tierheim bringen.
Zum Glück haben Tierheime oft ein besseres Gesprür für Taubheit, so daß der neue Besitzer dann mit Körpersprache und Handzeichen den Hund zum wunderbaren Gefährten erziehen kann.


Erkennen:

Es gibt Tests, die man schon vorab versuchen kann. Wenn der Hund schläft und möglichst den Kopf in andere Richtung liegen hat, ihn zu sich rufen oder mit seinem Futternapf klappern. Der Hund darf dabei jedoch kein anderes Tier berühren, da er sonst durch dieses aufmerksam gemacht werden würde.
Schwerhörigkeit läßt sich noch schwerer bestimmen. Manche Hunde reagieren z.B. nicht auf die Stimme, nehmen jedoch Klatschen noch wahr.
Einseitige Taubheit kann durch spielerische Test nicht erkannt werden.
Im Grunde ist nur eine Untersuchung mit dem Audiometriegerät eindeutig. So kann man ausschließen, daß ein tauber Hund durch lesen der Körpersprache unentdeckt taub ist und es Mißverständnisse gibt.

Erziehung

Stubenreinheit (auch beim erwachsenen Hund):
Ein Welpe muß extrem viel lernen. Tips gibt meist schon der Züchter mit und die meisten sind auch auf taube Hunde wunderbar übertragbar. Der Welpe muß stubenrein werden. Das heißt, er muß Tag und Nacht raus, denn so ein Baby kann Harn und Kot noch nicht so kontrollieren wie ein erwachsener Hund. Er muß das erst trainieren. Je weniger Malheurs es gibt, desto schneller wird er es lernen. Also nach dem Fressen, nach dem Spielen, nach dem Schlafen gassi gehen. Es wird geraten, Gassi nicht mit langen Spaziergängen zu kombinieren. Also erst raus zum "Pippi", dann loben, wieder rein und dann raus zum Spielen und Spazierengehen. Der Welpe soll das Rausgehen unbedingt mit dem Geschäft verbinden. Deshalb ist es auch Gartenbesitzern zu empfehlen, den Hund nicht zum Geschäft mal schnell in den Garten zu schicken, wenn der Hund später nicht in den Garten machen soll. Sonst lernt er ganz schnell, daß der Garten das gewünschte Klo ist!

Freifolge / Aufmerksamkeit:
Wenn man den erwachsenen Hund frei laufen lassen will -und das ist bei einem Laufhund zwingend notwendig- muß er schon als Welpe etwas Eigenverantwortung lernen. Das kann man notfalls auch dem erwachsenen Hund beibringen, aber zum Glück können das die meisten ja schon. Man sollte den Hund abseits von Straßen oder überlaufenen Fußwegen frei lassen und üben. Ein Welpe ist in fremder Umgebung meist verunsichert und schließt sich eng seiner Familie an. Wird er zu selbstbewußt und geht eigene Wege, muß man die eigenen Ängste überbrücken und darf nicht hinterherlaufen. Im Gegenteil! Man sollte in entgegen gesetzte Richtung gehen oder sich verstecken. Wenn man dem Welpen nachläuft, hat er keinen Grund, nach seiner Familie zu sehen und ihr zu folgen. Frauchen kommt ja immer nach!
Auch erwachsene Hunde können beim Besitzer Freifolge noch lernen, aber es ist deutlich schwieriger, da der Wirkungsradius eines erwachsenen Hundes deutlich größer ist. Aufmerksamkeit des Hundes, Herschauen sollte mit spielen, schmusen oder auch Leckerlie belohnt werden. Ist der Hund immer schön aufmerksam, damit Frauchen nicht weggeht und weil Frauchen sich da ja immer so freut, kann er gegebenenfalls auch Komandos gezeigt bekommen.

Lob
Auch ohne die Stimme zu hören, spürt der Hund Schwingungen und Emontionen. Ist er besonders artig, sollte man sich richtig freuen und dies mit dem Körper ruhig ausdrücken. Das ist nicht peinlicher, als die Besitzer hörender Hunde, die mit Mickymausstimme den Hund loben! ;-))) Man kann sich auch ein Zeichen für "guter Hund" ausdenken und den Hund darauf trainieren. Einfach Spiel, Streicheleinheiten, Leckerlie für besonders tolles Verhalten immer mit einem bestimmten Handzeichen verknüpfen, ähnlich wie man es beim Clickern tut. Nach einiger Zeit wird das Handzeichen als Lob erkannt. Allerdings muß man besonders beim tauben Hund auch wirklich fühlen, was man vermitteln will. Ein schlecht gelauntes Lob wird vom Hund als Lob nicht erkannt! Der Körper lügt nicht.

Heranrufen
Egal was man sich als Zeichen dafür aussucht, es sollte auch auf weitere Entfernung sichtbar sein. Mancher geht einfach in die Hocke, was jeden Hund leicht anlockt und so automatisch zum Zeichen für "Hier" werden kann. Ein stürmischer, großer Hund kann den Besitzer allerdings leicht überrennen! Andere rufen den Hund, indem sie die Arme ausbreiten, um dann den herankommenden Hund fröhlich zu knuddeln.
In jedem Fall sollte man den Hund immer überschwenglich loben, wenn er kommt und nicht jedesmal anleinen. Er soll das Heranrufen nicht mit Festnahme oder Spielende sondern mit Spaß verbinden. Damit man den Hund im Notfall auch zu fassen bekommt, sollte man ihm bei jedem Heranrufen kurz ans Halsband fassen. Gleich wieder loslassen und mit dem Hund spielen, ihn wieder laufen lassen. Man sollte das im Laufe eines Spaziergangs immer mal wieder ungezwungen üben. Gehorsam soll nicht mit Unterdrückung und Zwang verbunden werden sondern mit Lob und Spiel. Zuviel Übung strengt den Hund an und verleidet ihm den Gehorsam, zu wenig Übung läßt ihn wichtiges vergessen.
Eine Möglichkeit, auch taube Hunde ohne Blickkontakt zurückzurufen: Nachts die Taschenlampe (bitte Hund nicht blenden! Er braucht die Sehkraft!), tagsüber das Vibratell, ein Halsband mit vibrierendem Teil, das per Fernbedienung Signale sendet.

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  Kirstin Niederstenschee  
Turnerstr.41
42699 Solingen