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Hüftgelenksdysplasie

Das Wort Dysplasie stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den beiden Worten dys = schlecht und plasia = Formgebung zusammen. Die Hüftgelenkdysplasie des Hundes ist eine erblich bedingte Fehlbildung des Hüftgelenks, bei der die Hüftgelenkpfanne und der Oberschenkelkopf nicht aufeinander abgestimmt sind. (Löffler, 1990)

Bei der HD handelt es sich um eine genetisch beeinflusste Fehlentwicklung der Hüftgelenke (vorrangig bei mittelgroßen bis großen Rassen), an deren Ausbildung mehrere Gene beteiligt sind (= polygenetische Vererbung). Deshalb gibt es viele unterschiedliche Abstufungen an Schweregraden . Der Grad der Ausprägung kann auch durch Äußere Faktoren (Bewegung, Fütterung) beeinflusst werden.

Gelenkschäden können auch dann auftreten, wenn die Gelenkform zwar korrekt ist, der Gelenkschluss (=Sitz des Kopfes in der Pfanne) aber ungenügend ist. Gründe hierfür sind zu schlaffe Bänder oder Gelenkkapseln. Der Grad der Schädigung und damit der folgenden Arthrose ist abhängig von der Fehlbildung, aber auch von der Skelettbelastung.

Mehrere Autoren gehen davon aus, dass die HD bei allen Hunderassen vorkommt. Die Verbreitung ist jedoch bei den einzelnen Rassen sehr unterschiedlich.

So neigen schnell wüchsige, große Hunderassen eher zur HD als kleinere und leichtere Rassen. Geschlechtsspezifische Unterschiede konnten nicht nachgewiesen werden.

Weil die HD leider immer noch vielfach als nicht therapierbar gilt, ist dieDiagnose oftmals niederschmetternd.Man sieht sich mit dramatischen Krankheitsverläufen und letztendlich mit einer drohenden Euthanasie seines Hundes konfrontiert.

Obwohl in den letzten Jahren Züchter und Verbände durch verschärfte Selektionsmaßnahmen, Zuchtausschlüsse und Veränderung der Rassestandards versucht haben die HD zu reduzieren, ist sie leider immer noch ein weit verbreitetes Erkrankungsbild.

Was ist eine HD
Unter einer Hüftgelenkdysplasie versteht man eine Fehlbildung der Hüftgelenke. D.h. dassOberschenkelkopf und Gelenkpfanne nicht korrekt aufeinander passen. Die Fehlbildung tritt meistens beidseitig auf und kann unterschiedlich ausgeprägt sein.

Weil in einem dysplastischen Hüftgelenk nicht alle Teile gleichmäßig beansprucht werden, kann es zu entzündlichen und degenerativen Veränderungen kommen.

So können knöcherne Neubildungen den Gelenkspalt verkleinern oder verschließen und zu einer vollständigen Versteifung des Gelenks führen. Der hyaline Gelenkknorpel, der ein reibungsarmes Gleiten ermöglicht, wird zunächst durch Mikrofrakturen (feine Risse) geschädigt. Sogenannte Chondrozyten sorgen für eine vermehrte Einlagerung von Wasser im Knorpel. Im weiteren Verlauf kommt es zu Knorpelschwund und Knorpelneubildung in den Randbezirken des Gelenks und die Erkrankung kann in den chronisch degenerativen Zustand einer Arthrose übergehen. Diese ist durch eine hohe Schmerzhaftigkeit und einer Einschränkung der Gelenkfunktion gekennzeichnet.

Bei stark abgeflachten Gelenkpfannen kann es zu Luxationen (Verrenkungen) bzw,. Subluxationen kommen, bei denen die Gelenkköpfe teilweise oder ganz aus der Pfanne springen und wieder eingerenkt werden müssen. ( nach T. Marziniak)

Eine HD entwickelt sich in den ersten 15 Monaten im Leben eines Hundes, später verändert sich nur noch das Ausmaß einer Arthrose. Junge Hunde mit ausgeprägter HD zeigen Schmerzen als Folge der unüblich starken Lockerheit der Hüftgelenke. Bei älteren überwiegen die Schmerzen als Folge der Abnützung (Arthrose). Bei leichteren Formen der HD können Krankheitshinweise fehlen, solange der Hund nicht stark beansprucht wird.(PD Dr. M. Flückiger, HD Komission Zürich)

Entstehung der HD
Die Entwicklung der Hüftgelenke wird hauptsächlich durch zwei Faktoren beeinflusst: durch die Erbanlage und die Ernährung.

Bei der HD handelt es sich um eine sog. Additive Vererbung, bei der ein Merkmal um so stärker auftritt, je mehr Gene für diese Eigenschaft vorhanden sind, sich also addieren.

Auch gesunde Tiere können defekte Gene tragen, die nur knapp unter dem Schwellenwert liegen.

Bei einem Hund mit der Veranlagung zu HD ist es möglich, durch eine kalorienmäßig zurückhaltende und ausgewogene Ernährung das Ausmaß der Krankheit zu mildern. Es ist erwiesen, dass Hunde die langsam wachsen, weniger schwer an HD erkranken als ihre schnell wachsenden schwereren Wurfgeschwister. Als häufigste Ernährungsfehler sind falsche Calcium/Phosphorverhältnisse und zu hohe Eiweißanteile zu nennen.

Eine weitere Ursache kann die Überforderung eines Welpen durch kilometerlange Spaziergänge, übermäßiges springen und überklettern von Hindernissen oder durch das Laufen am Fahrrad sein.

Außerdem sollten auch unphysiologische Ausstellungsstandards (z.B. stark abfallende Rückenlinie) kritisch überdacht werden.

Auch hormonelle Störungen werden von einigen Autoren als einen kausalen Faktor für die HD erwähnt. Ebenfalls werden Vitaminüber- bzw. unterversorgung diskutiert.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Ursachen dieser Erkrankung noch nicht eindeutig geklärt sind. Als gesichert gilt jedoch, dass die HD polygen vererbt wird und die phänotypische Ausprägung [Erscheinungsbild] von genetischen und umweltbedingten Faktoren abhängt. (Linneman, 1999..)

Symptome der HD
Die Symptomatik der HD ist sehr vielgestaltig. Neben völliger Beschwerdefreiheit werden alle Grade von Bewegungsstörungen bis zur hochgradigen Hinterhandlahmheit beobachtet.

Folgende Symptome und Befunde können bei einer HD auftreten:

  • Mühsames Aufstehen
  • Beschwerden bei den ersten Schritten nach einer Ruhepause (Anlaufschmerz)
  • schwankender, wackeliger Gang
  • subluxieren der Hüften bei jedem Schritt
  • leichtes Nachziehen der Hintergliedmaßen mit Abschleifen der Zehenkrallen
  • verkürzte Schrittlänge der Hinterextremitäten
  • frühes Antraben zur Vermeidung schnellen Gehens
  • ruckartiges Anheben der Hintergliedmaßen (Hahnentritt ähnlicher Gang)
  • vorne Trab, hinten Galopp
  • gleichzeitiges Fußen beider Hinterpfoten im Galopp zur Verminderung der Bewegung des schmerzhaften Hüftgelenks
  • schnelles Ermüden
  • Belastungsschmerz
  • erschwertes Treppensteigen
  • Ausgleiten auf glattem Boden
  • Umfallen beim Kurvenlaufen
  • unwilliges, erschwertes Springen
  • Hinterbeinlahmheit
  • verlangsamtes sich Setzen und Hinlegen
  • verminderter Bewegungsdrang
  • schmerzbedingte Aggressivität
  • häufiges Liegen
  • asymmetrische Sitzposition ( schmerzhafte Gliedmaße werden zur Seite gestellt )
  • unwilliges längeres Stehen ( Hund bevorzugt Sitzen oder Liegen)
  • im Stand Entlastung der Hinterextremität
  • geduckte Haltung der Hinterhand
  • unterständige Stellung der Hintergliedmaßen
  • Stehen mit gekrümmten Rücken zur Gewichtsverlagerung auf die Vorderhand
  • Unverhältnismäßiges Vorderteil bei schwach entwickelten Hinterteil
  • Muskelatrophie (Muskelschwund) im Kruppen- und Oberschenkelbereich.
  • Schmerzhafte Einschränkung der passiven Beweglichkeit ( Schmerzen bei Extension, Rotation, Abduktion, später Aduktion)


Man unterscheidet zwei Phasen der HD, die akute und die chronische HD. In der akuten Phase lassen die Hunde das Vorhandensein von Hüftgelenksschmerzen während der Wachstumsphase (zwischen 5 und 8 Monaten) erkennen. Als mögliche Ursache der in diesem Alter auftretenden Schmerzsymptome nennen einige Autoren Mikrofrakturen des dorsalen Acetabulumrandes (Gelenkpfannenrand). Sie entstehen durch den Druck des subluxierten Femurkopfes auf den noch nicht ausreichend verknöcherten Acetabulumrand. Der Schmerz entsteht durch die Spannung und Zerrung der Periostnerven. Mit Heilung der Mikrofrakturen (8 bis 11. Monat) klingen die Beschwerden wieder ab. Auch eine Dehnung der Gelenkkapsel kann eine mögliche Ursache für die Beschwerden sein, bis die Kapsel sich hieraufhin verstärkt und die Dehnung einschränkt. Auch durch eine verstärkte Kontraktion (Zusammenziehen) der Muskeln, die das lockere Hüftgelenk dadurch zu stabilisieren versuchen, kommt als Schmerzauslöser in Frage.

Unabhängig vom Grad der HD sind die meisten dysplastischen Hunde im Alter von 12 bis 14 Monaten Beschwerdefrei, zu dieser Zeit stabilisieren sich die Hüftgelenke. Bei manchen Hunden verschwinden die Symptome sogar ganz.

In der chronischen Phase der HD sind die Schmerzzustände des erwachsenen Hundes durch die Sekundärarthrose bedingt. Diese kann erhebliche Schmerzen und Funktionsstörungen (eingeschränkte Gelenkbewegung) hervorrufen. In den meisten Fällen wird die HD erst dann klinisch manifest. Die Schmerzen treten typischerweise nach einer längeren Ruhephase auf als sog. Anlaufschmerz sowie nach längerer bzw. stärkerer Belastung als Belastungsschmerz. Außerdem bewegen sich die Hunde bei schnellem Lauf oft hasenartig (bunny-hop) fort, um das schmerzhafte Hüftgelenk zu schonen.

Oft sind die Beschwerden witterungsabhängig und können sich durch Kälte oder Nässe verschlimmern.

Erwähnenswert ist die Tatsache, dass die Symptome nicht unbedingt vom röntgenologischen Schweregrad einer HD abhängig sind. So kann eine geringgradige Arthrose starke Schmerzen verursachen, während eine schwere Gelenkszerstörung nur minimale Beschwerden bereitet!

Die Gelenkdegeneration kann für den Hund lange Zeit schmerzfrei bleiben (lat. Arthrose). Weil der Knorpel keine Schmerzrezeptoren enthält, kann der Abrieb nicht als solcher empfunden werden. Die hierbei frei werdenden Abbauprodukte können jedoch zu einer Entzündung der Gelenkkapsel führen. Hierdurch wird die Arthrose schmerzhaft (aktivierte Arthrose).

Durch die im Verlauf einer HD entstehenden Bewegungseinschränkung, wird die Muskulatur im Bereich des Hüftgelenks atrophisch (zurückgebildet). Zur gleichen Zeit hypertrophiert (Muskelzuwachs) die Schultermuskulatur da der Hund sein Gewicht wegen der Hinterhandbeschwerden nach vorne verlagert.

Der Verlauf der HD hängt primär mit der Schwere der Gelenkveränderungen und der Beanspruchung des erkrankten Gelenks durch Bewegung und Gewicht ab. Außerdem können Alter, Größe und die Bemuskelung der Hinterhand den Krankheitsverlauf stark beeinflussen.

Kleinere Rassen zeigen oftmals wegen ihrer geringeren Größe weder die frühen akuten klinischen Symptome, noch die durch die sekundäre Arthrose verursachten.

Diagnose der HD
Eine gesicherte Diagnose ist ausschließlich nur durch eine röntgenologische Untersuchung möglich. Um eine einheitliche Bewertung der HD- Röntgenaufnahme zu gewährleisten, sind sog. HD- Zentralen eingerichtet worden, bei denen auf HD spezialisierte Tierärzte die Beurteilung der standardisierten Röntgenaufnahmen vornehmen. Für die verschieden Rassen gibt es in Deutschland spezielle Auswertungszentralen um die Rassebesonderheiten zu berücksichtigen.

Für die offizielle HD-Röntgenuntersuchung wird im deutschsprachigen Raum bei den meisten Rassen ein Mindestalter von 12 Monaten verlangt. Bei großen, schweren spätreifen Rassen ( Bernhardiner, Dogge, Molosser ) beträgt das Mindestalter 13 - 18 Monate.

Zur Bewertung der Röntgenaufnahme ist eine genau definierte Lage des Hundes erforderlich. Es haben sich zwei verschiedene Lagerungen etabliert: Position I in gestreckter Haltung und Position II in gebeugter Haltung. Eine solche Lagerung ist im Normalfall nur mit sedierten (beruhigten) bzw. narkotisierten Hunden möglich.

Zu erwähnen ist noch die Winkelmessung nach Norberg, um besonders geringgradige dysplastische Veränderungen objektiv diagnostisieren zu können, sie dient als Entscheidungshilfe zur Beurteilung des HD- Grades im Röntgenbild.

Der amerikanische Tierarzt Schnelle (1954) teilte als erster die röntgenologisch feststellbaren Veränderungen des Hüftgelenks in vier Schweregrade ein:

Grad 1 - leicht = Der Oberschenkelkopf sitzt nicht korrekt in der Gelenkpfanne.
Grad 2 - mittel = Die Gelenkpfanne stellt sich mäßig abgeflacht dar.
Grad 3 - schwer = Die Gelenkpfanne erscheint flach und der Oberschenkelkopf zeigt eine Subluxationsstellung.
Grad 4 - sehr schwer = Der Oberschenkelkopf ist luxiert.

Ein Problem stellt eine einheitliche Definition, Erfassung und Auswertung der HD dar, da sich die Erkrankung mit nicht unerheblichen Variationen zeigt. Der F.C.I. ( Federation Cynologipue Internationale) hat in diesem Zusammenhang 1978 und 1983 für internationale Zertifikate Kriterien zur Anfertigung von Röntgenaufnahmen und deren Beurteilung erarbeitet.

Das Klassifizierungsschema für den Grad der Erkrankung sieht danach folgende Einteilung vor:

HD-A Kein Hinweis auf HD
HD-B Übergangsform (verdächtig für HD)
HD-C Leichte HD (I. Grad)
HD-D Mittlere HD (II. Grad)
HD-E Schwere HD (III. und IV Grad)

Anzumerken bleibt, dass auch dieses Klassifizierungsschema unter den verschiedenen Autoren umstritten ist.

Präventive Maßnahmen
Die HD ist nicht heilbar, es ist jedoch möglich, durch eine Vielzahl von therapeutischen Maßnahmen die degenerativen und entzündlichen Prozesse im Gelenkbereich positiv zu beeinflussen.

Das Therapieziel ist, die fortschreitenden degenerativen Prozesse im Gelenk zu hemmen, die Stoffwechselprozesse an Knochen, Knorpel, Sehnen und Bändern zu fördern und die schmerzfreie Bewegungsfähigkeit zu erhalten. Auch der Muskelaufbau sollte durch spezielles Training gefördert werden.

Ein Übergewicht sollte bereits beim Welpen unbedingt vermieden werden, denn dies fördert den frühen Verschleiß der Gelenke. Bei übergewichtigen Hunden sollte eine kontrollierte Diät erfolgen.

Regelmäßige Bewegung stärkt den Muskel- und Bänderapparat, dieser kann die erkrankten Gelenke wirkungsvoll entlasten. Außerdem wird nur bei Belastung die sog. Synovialflüssigkeit in die Knorpel gepresst, und dieser mit den notwendigen Nährstoffen versorgt. Springen, plötzliches Abbremsen, Hakenschlagen und Aufstellen auf die Hinterläufe sollten so weit wie möglich vermieden werden. Dies fördert den Abrieb am Gelenkkopf. Ebenso müssen Überlastungen vermieden werden.

Bei der Ernährung sollte auf ein optimiertes Calcium/Phosphor- Verhältnis geachtet werden. Zufütterung von Gelatine und/oder Muschelkalk (Canosan,Dogosan etc.) fördern den Knochen und Knorpelaufbau und wirken den Verschleißerscheinungen entgegen.

Wichtig ist auch ein warmer und trockener Schlaf - und Liegeplatz, da Kälte und Nässe die Beschwerden einer Arthrose fördern. Rotlichtbestrahlungen und heiße Ölumschläge ( Vorsicht vor Verbrennungen! ) können die Therapie wirkungsvoll ergänzen. Die Wärme regt den Stoffwechsel an und lindert die Schmerzen. Meistens empfinden die Tiere eine Wärmebehandlung als sehr angenehm, allerdings sollte bei einer entzündlichen Phase mit großer Hitze und Schwellung nicht wärmebehandelt sondern erst einmal medizinisch betreut werden.

Quelle arche-nienaber

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